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Leonardo Studies

01.12.1992

Kim H. Veltman

Leonardo da Vinci: Die Gesetze des Sehens und der Natur
Methode und Struktur in Leonardos Werk

Geschichte und Gesetz. Europäisches Forum Alpbach, 1989, Hrsg. Otto Molden, Vienna: Ostereichisches College, (1990), pp. 566-572.

Die Notizbücher Leonardo da Vincis (1452-1519) zeigen, daß er hinsichtlich spezifischer Probleme systematisch arbeitete. Seine biologischen Studien konzentrieren sich auf die Bewegung: Fische im Wasser, Insekten und Vögel in der Luft, Tiere an Land hinsichtlich, Anwendungen auf menschliche Bewegungen: Schwimmen, fliegen und Laufen. Leonardos Studien des Menschen konzentrieren sich auf die Prinzipien der Anatomie. Einleitend schreibt er über die vier Naturkräfte (Gewicht, Kraft, Bewegung und Schlag/Erschütterung). Leonardos Interesse an den Sinnen richtet sich auf das Sehen und HOren, die er beide in bezug auf Schlag behandelt. Eine Analogie zwischen der menschlichen Nabelschnur und dem Samen leitet seine Studien der fortpflanzung und der Botanik. Sein Studium der physikalischen Welt beinhaltet Karten und topographische Ansichten, konzentriert sieh aber auf die vier Elemente, hauptsächlich Wasser, mit Hilfe dessen die Prinzipien der Bewegung am leichtesten zu visualisieren sind. Er macht zahlreiche Experimente diesbezüglich und schreibt eine Abhandlung darüber. Allmählich entwickelt sich ein Plan, ei'ne Arbeit zur Kosmologie zu schreiben. Seine Studien über das Licht und das Sehen dienen als einleitende Kapitel. Der Zweck ist, zu zeigen, daß der Mond ein Planet ist wie die Erde.

Die Mehrzahl von Leonardos Notizen betrifft die vom Menschen gemachte Welt: geistig, konstruiert und dargestellt. Die geistige Welt beinhaltet Worte (Sprache), Zahlen (Arithmetik) und Diagramme (Geometrie). Er macht Listen von Vokabeln und Grammatik, schreibt Briefe und Notizen, sammelt Allegorien und Embleme, während sein literarisches Interesse Aphorismen, Anekdoten, Fabeln, Scherze und philosophische Erzählungen einschließt. Arithmetik interessiert ihn in bezug auf arithmetische Proportionen und grundlegende Gesetze der abbaco-(Rechen-)Schule. Geometrie interessiert ihn in bezug auf Veränderungen der Form und die Gesetze, denen solche Veränderungen unterliegen. Die konstruierte Welt interessiert ihn in bezug auf Architektur, Mechanik und Instrumente. Praktische Angelegenheiten wie militärische Architektur und WafFen beschäftigen ihn. Hier steht er voll in der Tradition der Kunst- Ingenieure. Seine Originalität liegt in der Behandlung der Maschinen, Werkzeuge und Präzisionsinstrumente, wo er systematische Methoden des Experiments einführt.


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